Unterstützung der Ziganie von Guşteriţa

Die ESG Potsdam unterstützt seit 2020 kirchliche Projekte in Ziganie von Guşteriţa in Hermannstadt (Rumänien). Durch persönliche Bekanntschaft unseres Pfarrers Steffen Tuschling mit Vater Alexandru, welcher in der Gemeinde in Rumänien vor Ort ist, besteht ein reger Austausch. Begonnen mit der Idee, Päcken für die Kinder in der Ziganie zu Weihnachten zu packen, wurden bereits ansehnliche Spenden durch Gottesdienste gesammelt, um Care-Pakete sowie Kunst- und Mitmachaktionen in der Kulturscheune zu fördern. Über eine befreundete evangelische Gemeinde in Freren-Thuine, wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Wir freuen uns über jeden Betrag, welcher auf das Konto überwiesen wird und welcher der Arbeit von Vater Alexandru zugute kommen kann.

Konto: DE 67 2665 0001 1001 0127 05 (Ev. Kirchengemeinde Freren-Thuine)
Stichwort: Rumänien


Mitglieder der ESG Potsdam und Cottbus bei einem Besuch der Ziganie
Eindrücke der Ziganie
Lebensverhältnisse in der Ziganie

Ausführliche Eindrücke unseres Pfarrers Steffen Tuschling:

In der Ziganie von Guşteriţa sind die Gassen ungepflastert. Bei Regen ist der Schlamm so tief, dass das Auto sich eingräbt – die Reifen drehen durch,  nichts geht mehr.

Kinder schauen aus dem wackeligen Tor und lachen durch den Regen. Denn sie kennen den, der am Steuer sitzt.  Vater Alexandru, ihr Pfarrer. Die Kinder sind matschschmutzig, und ihre Klamotten werden nicht schnell trocknen. Aber sie lachen ihr schönstes Lachen, und Neugier blitzt aus ihren dunklen Augen. Părinte! Rufen sie: Vater!

In der Ziganie von Guşteriţa sind nicht nur Straßen ungepflastert,  Tore wackelig und Kinder zerzaust. Auch manches Häuschen ist mehr als zugig, mancher Ofen wird mehr mit Plastikmüll als mit Vernünftigem beheizt, manche Familie ist ohne Strom, die meisten ohne Bad.

Teilhabe, sagt Vater Alexandru, heute redet man viel von Teilhabe. Die Roma in der Ziganie haben wenig teil an dem, was heute die Zivilisation bietet.

Vater Alexandrus Kirche ist die kleine orthodoxe Kirche in der Rumänengasse von Guşteriţa, das auf deutsch Hammersdorf heißt. Altes siebenbürgisch-sächsisches Dorf, heute Stadtteil von Hermannstadt (Sibiu). Im Zentrum steht die stolze Kirchenburg. Drum herum die schönen großen, ehemals sächsischen Höfe. Am Rand die alte Rumänengasse mit ihren kleineren Häuschen und der orthodoxen Kirche. Und ganz am Rand die Ziganie mit ihren Hütten. So war die Welt hier früher geordnet, so ist sie teilweise bis heute.

Die Sachsen sind meist fort, aber ihre Ausstrahlung ist geblieben. In Hammersdorf lebt heute ein stolzes Ökoprojekt der Ev. Kirche Hermannstadt, die grüne Kirchenburg . Die Rumänen haben sich ihre Emanzipation errungen, sind längst die große Mehrheit, die Stadtstraßen sind nach Guşteriţa hinausgewachsen – aber das alte Kirchlein in der Rumänengasse zeugt noch von der alten, bescheidenen Rolle.

Und die Ziganie? Teilhabe, sagt Vater Alexandru, ist hier mein Thema. Unser Thema. Die Roma hier sind orthodox, aber bis vor kurzem hat sich ihre Kirche um sie nicht gekümmert, außer zu Taufe und Beerdigung. Die Kirchengemeinde war rumänisch, nicht zigeunerisch,  das war klar. Einen Kinderchor für alle zu bilden, war neu. Und erst recht: Die Romakinder extra einzuladen. Und dann kamen sie – und wie! Mit Kindern geht es am einfachsten, was Neues zu wagen, sagt Vater Alexandru.

Inzwischen baut die Gemeinde die alte Pfarrscheune zur Kulturscheune aus. Musik, Tanzen, Raum haben…  In der Ziganie besteht in den wenigsten Häusern Platz zum Malen und Zeichnen.  Stundenweise soll ein Student angestellt werden, der mit den Kindern etwas unternimmt. „Mal nach Sibiu ins Zentrum ins Puppentheater gehen…“, das können sich die meisten bisher nicht im Traum vorstellen.

Die Studentinnen und Studenten der ESG Potsdam suchten ein Projekt, um sich sozial zu engagieren. Mit der Idee, Päckchen zu packen zu Weihnachten, fing es an. Vater Alexandru kannte ich aus der Ökumene: Evangelische Kirche AB und Orthodoxe Kirche zusammen tragen das „Ökumene-Institut Hermannstadt“, wo Alexandru Ioniţă teilzeit auch arbeitet.

Und so entsteht, vermittelt durch die Freundschaft zu den Evangelischen in Rumänien, nun etwas Besonderes:  Eine Partnerschaft zwischen Potsdamer jungen Erwachsenen in der ESG und einer Orthodoxen Stadtrandgemeinde in Siebenbürgen. Die ESGlerInnen werden die Studenten-Stelle bei der Kulturscheune weiter unterstützen. Der Weg soll keine Einbahnstraße bleiben. Wenn die Pandemie endlich nachlässt, wird es einen professionell geleiteten Ikonenmalkurs in Potsdam geben.

Steffen Tuschling, ESG Pfarrer in Potsdam und Cottbus